Freitag, 27. März 2009

Tag 1 des Turniers in Estoril

Nach einer erholsamen Nacht trafen sich die Bulispieler am Strand. Da wir ja bis 15 Uhr Zeit hatten beschlossen wir ein wenig die Gegen zu erkunden. Was lag näher als am Stand entlang zu laufen.


Schönes Wetter, Sonne satt, entsprechende Temperaturen.



Letztendlich blieben wir in einem schönen Lokal am Strand hängen und haben unsere Bäuche mit etwas essbarem gefüllt.

So langsam näherte sich der Zeitpunkt um das Casino aufzusuchen. Also gut, Platz suchen, Nervosität ablegen und warten bis es endlich los geht.

Doch wer kommt da Zielstrebig auf meinen Tisch zu? George Danzer. Einer der Poker Stars Shooting Stars. Einer der beiden Poker Amigos. Sein Kollege Jan Heitmann ist natürlich auch da. Wahnsinn, gleich mit einem deutschen Profi am Tisch. Wie sich später heraus stellen sollte war dies eigentlich gar nicht so schlecht. Da George teilweise in Portugal aufgewachsen ist spricht er portugiesisch. Dies sollte in einigen
Situationen, in denen die Dealer nicht so richtig wussten was sie tun sollten, sehr hilfreich sein.

Mit einer Stunde Verspätung startet das Turnier. Und wie es startet.

In den ersten 3 Stunden bekomme ich viermal AA, einmal KK und noch öfters AK, AD oder AJ. Natürlich zeige ich meine AA (ja, sollte man nicht tun) und nach dem dritten Mal ist das Erstaunen am Tisch groß. Wenn ich jetzt raise kommt gleich die Frage „Aces again?“.

Aber es bringt ja leider nicht so viel in der frühen Phase eines Turnieres. Ich kann zwar meinen Stack kontinuierlich aufbauen, aber muss dann doch wieder Federn lassen weil es zu folgender Konstellation kommt:

Ich halte AK auf der Hand. Den genauen Verlauf vor dem Flop weis ich leider nicht mehr. Auf dem Flop kommen K 10 4 Rainbow. Ich spiele ca. 1/2 - 2/3 Pot an. Mein Gegenüber geht All In.

Shit. Warum geht der All In? Der hat sicherlich einen Drilling. Aber warum gleich All In? Na egal, zu diesem Zeitpunkt calle ich kein All In mit Top Pair Top Kicker. Fold und zeigen. Er macht mir den gefallen und zeigt ebenfalls seine Hand. QQ. Autsch. Immerhin bekomme ich einen Kommentar von einem anderen Mitspieler das er das gleiche getan hätte.
Zurück auf Anfangsstack. Schade.

Erst wesentlich später ist mir mein eigentlicher Fehler bewusst geworden. Ich habe nicht beachtet wie viel ich eigentlich hätte bezahlen müssen und wie viel ich im Falle des Verlustes noch gehabt hätte. Im Nachhinein betrachtet hätte ich sicherlich callen können und hätte sicherlich immer noch ausreichen Chips für das weitere Turnier gehabt. Nochmal Schade.

Ok, aber wie schon erwähnt habe ich super Starthände bekommen und konnte doch wieder ein paar Chips sammeln.

Als ich mal wieder AA hatte war nur noch George Danzer mit in der Hand. Auf dem Turn kommt das dritte Pick und Georg spielt an. Hmmm, ich weis nicht mehr genau wie viel, aber für mich war das ein Fold, natürlich zeige ich die Asse. George ist ganz aufgelöst. Als ihn ein anderer fragt ob er denn den Flush gehabt habe sagt er nur „Ich weis nicht mehr, aber ich glaube es war ein guter Fold.“ Am nächsten Tag hatte ich Gelegenheit mit George darüber zu sprechen und er sagte mir das er KQ in Pik hatte und damit nach dem Flop einen Straigth- als auch einen Flushdraw hatte. Er hätte gebetet das ein Ass kommen würde (woher er wohl wusste das ich mindestens eins davon hatte). Aber er war echt Baff als ich foldete. Er hatte sich wohl schon auf einen großen Pott gefreut.

Weiter im Spiel. Ich halte, mal wieder, AA. Mein Gegner setzt sowohl auf Flop als auch auf Turn und River kommen Bets die nicht sehr hoch sind. Also bezahle ich mit meinem Overpair. Jedoch zeigt er eine dritte 9 zu den zwei Neunern auf dem Board. Schade. Beinahe hätte ich den Pott doch noch bekommen da der Dealer (ja ja, die Dealer, das ist eine eigene Geschichte) die Chips zu mir schob. Dadurch war ich so überrascht das ich dachte ich hätte mich geirrt und nach den Chips griff. Jedoch intervenierte der Gewinner natürlich und die Chips gingen ihren richtigen Weg.

Das war dann auch so ziemlich das Ende meiner guten Karten.

Ab jetzt war ich mit folden beschäftigt. Ach ja, eine Hand sollte ich noch erwähnen. Einen schönen Bluff.

Ich limpe mit 35s. Auf dem Turm kommt eine 3 Pik Karte. Ich bin als erster dran und „überlege“ ein wenig um dann doch „erst mal“ zu checken. Auf dem River kommt eine Blank und ich setze ca. halben Pot. Wie gehofft folden alle brav.

Gegen 8 Uhr gibt es erst einmal eine Stunde Pause und ein recht nobles Essen. Zumindest die Menge ist einem Sternelokal würdig. Eine Stunde ist natürlich nicht viel Zeit für viele Gänge und so wird direkt nach dem Essen wieder an die Tische gehetzt. Den Kaffee gab es dann zum Glück auch am Pokertisch noch gratis.

Nun geht meine lange Durststrecke nahtlos weiter. Wenn ich mal akzeptable Karten bekomme spielt keiner mit. Aber meistens bekomme ich eh nur 83, 92 oder A3 in früher Position. Fold, fold, fold.

Ein kleines Quiz am Rande: Wer kennt diesen Mann?



Dieser Herr wurde irgendwann links neben mich an den Tisch gesetzt. Er machte mir keinen Ärger, foldete brav wenn ich in einer Hand involviert war. Soweit ganz unauffällig. Die Lösung des Rätsels kam für mich erst als er einen Showdown mit Q hoch gewann. Richtig, der andere Spieler hatte noch schlechtere Karten. Aber wenigsten wurde jemand am Tisch zu der Aussage verleitet das doch nur ein EPT Sieger mit „Dame hoch“ gewinnen könne. Da musste auch er (Magnus Petersson, Gewinner der EPT Kopenhagen 2007) lachen.

Zu meiner Erleichterung werde ich kurz danach an einen anderen Tisch gesetzt. So jemanden habe ich dann doch nicht so gerne direkt hinter mir.

Um wach zu bleiben trinke ich Cola. Aber es geht erstaunlich gut. Eigentlich habe ich nie einen wirklichen Hänger (außer bei den Karten).
Meinen Stack sehe ich langsam dahin schwinden.

Im Laufe des Abends wechsle ich mehrmals den Tisch. Aber trotz neuem Tisch bekomme ich keine besseren Karten. Immer mehr Chips wechseln von mir zu meinen Gegnern. Wenn ich am Anfang des Turniers doch öfters mal einen großen Chip eines Gegners in kleinere Werte gewechselt habe, muss ich inzwischen auch mal einen großen Chip für Kleingeld abgeben. Dank der steigenden Blind ist das aber nicht so oft der Fall, die benötigten Chips werden ja auch größer. (stöhn)

Als ich wieder an einen neuen Tisch gesetzt werde bin ich schon sehr Shortstack. Ich habe noch so ca. 9000 von meinen ursprünglich 15000 Chips. Da finde ich AK. Ich raise um 3000 Chips. Der Typ nach mir ist wohl etwas erstaunt (oder vielleicht verärgert?) und wirft mit einer etwas laxen Handbewegung einen Stapel 1000er Chips in die Mitte. Mein erster Gedanke ist „Der setzt mich All In“. Mein zweiter Gedanke ist, super, was will ich mehr. Also sage ich „Call“. In der Erwartung das ich eh All In bin lege ich aber meine Chips nicht in die Mitte. Etwas Konfusion kommt am Tisch auf. Ich verstehe nicht wirklich was die Leute wollen. Der Dealer sagt (mal wieder) auch nichts Entsprechendes und der Spieler neben mir greift in meine Chips. Immer noch der Meinung das ich eh All In bin drehe ich meine Karten um. Der Dealer legt den Flop mit einem König auf den Tisch.

Totales Durcheinander.

Jetzt rufen ein paar andere Spieler nach dem Floorman. Nach etwas Diskussion wird bestimmt dass ich nur noch passiv handeln darf. Nachdem auch mein Einsatz nun endlich bezahlt ist liegen noch ca. 275 Chips vor mir (so Falsch war meine Annahme also doch nicht). Ich darf jetzt nur noch callen oder folden, nicht mehr selber setzen.

Turn und River helfen meinem inzwischen sehr genervten Gegner nicht (tja, ich bin nun mal kein Profi im Live Game) und ich kann quasi Aufdoppeln. Genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ab jetzt bin ich auf jeden Fall wieder besser im Spiel.

So beschließe ich diesen Abend, oder besser Morgen, es ist inzwischen 2.45 Uhr mit 18900 Chips. Das bedeutet etwa halber Average und ca. Platz 106 von noch 133.

Ab ins Hotel und schlafen.

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